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Jagdambitionierte Hunde im Frühling: Wenn Brut- und Setzzeit zur Herausforderung wird

  • Autorenbild: Sarah Engel
    Sarah Engel
  • 8. März
  • 4 Min. Lesezeit

Der Frühling ist für viele Hundehalter eine der schönsten Zeiten des Jahres. Die Tage werden länger, die Natur erwacht – und die Spaziergänge machen wieder richtig Spaß.


Für Halter von jagdlich motivierten Hunden beginnt jetzt allerdings eine Zeit, die einige Herausforderungen mit sich bringen kann.

Denn während wir Menschen uns über Vogelgezwitscher und blühende Wiesen freuen, passiert für unsere Hunde noch etwas anderes: Die Natur wird plötzlich wieder extrem spannend.


Nach den reizärmeren Wintermonaten tauchen jetzt überall wieder Spuren, Geräusche und Gerüche von Wildtieren auf. Gleichzeitig beginnt die Brut- und Setzzeit, in der viele Bundesländer eine Leinenpflicht eingeführt haben.


Das Ergebnis: Mehr Reize – aber weniger Bewegungsfreiheit.

Und genau diese Kombination kann bei vielen Hunden zu Problemen führen.


Warum der Frühling für jagdlich motivierte Hunde so herausfordernd ist

Im Winter ist es draußen vergleichsweise ruhig. Viele Wildtiere sind weniger aktiv, Gerüche halten sich bei kalten Temperaturen anders und die Umwelt bietet insgesamt weniger Reize.

Der Frühling dreht dieses Verhältnis plötzlich um.

Hazel angespannt im Wald da sie eine Rotte Wildschweine hört

Wildtiere werden aktiver, Jungtiere kommen zur Welt und überall in der Natur passiert gleichzeitig etwas. Für Hunde – besonders für solche mit Jagdambitionen – bedeutet das eine massive Reizsteigerung.

Das allein wäre schon anspruchsvoll genug.

Wenn nun zusätzlich noch Leinenpflicht hinzukommt, entsteht oft ein weiterer Faktor: Frust.

Der Hund nimmt die vielen spannenden Reize wahr, kann ihnen aber nicht folgen, sie nicht überprüfen oder ihnen nachgehen.

Diese Kombination aus:

  • hoher Reizdichte

  • eingeschränkter Bewegungsfreiheit

  • aufgestauter Motivation

führt bei vielen Hunden zu einer deutlich erhöhten Erregungslage.


Was dabei im Hundehirn passiert

Wenn ein Hund spannende Reize wahrnimmt – etwa Wildgeruch oder raschelnde Geräusche im Gebüsch – wird im Gehirn das Jagdverhalten aktiviert.

Dabei werden unter anderem Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet. Dopamin sorgt für Motivation und Erwartung: Der Hund ist bereit, loszulegen.


Kann er dieser Motivation jedoch nicht folgen, entsteht schnell Frust. Gleichzeitig steigt häufig der Cortisolspiegel, ein Hormon, das mit Stressreaktionen verbunden ist.


Die Folge kann sein, dass der Hund:

  • schneller hochfährt

  • schlechter ansprechbar ist

  • impulsiver reagiert

  • und deutlich länger braucht, um wieder herunterzufahren.


Viele Hundehalter versuchen in solchen Situationen noch mehr Impulskontrolle zu trainieren.

Das Problem: Ein Hund, der bereits stark erregt ist, kann diese Trainingsanforderungen oft gar nicht mehr erfüllen.

In solchen Momenten ist nicht Training der erste Schritt – sondern Management.


Training funktioniert nur, wenn der Hund noch denken kann

Ein häufiger Fehler in dieser Jahreszeit ist, dass Halter versuchen, schwierige Situationen direkt „wegzutrainieren“.

Wenn der Hund aber bereits in hoher Erregung ist, arbeitet sein Gehirn eher im Autopilot-Modus.


Das bedeutet: Der Hund reagiert instinktiv – nicht bewusst.

Erst wenn die Erregung wieder sinkt, kann Lernen überhaupt stattfinden.


Deshalb lohnt es sich gerade jetzt besonders, darauf zu achten:

  • Wie hoch ist die Erregung meines Hundes gerade?

  • Kann er mich noch wahrnehmen und ansprechbar bleiben?


Wenn die Antwort eher „nein“ ist, sollte der Fokus nicht auf Training liegen, sondern darauf, die Situation für den Hund wieder handelbar zu machen.


Praktische Strategien für diese Jahreszeit

Die gute Nachricht: Es gibt einige einfache Möglichkeiten, die Spaziergänge für Hund und Halter entspannter zu gestalten.


Schleppleine statt Freilauf

Eine lange Schleppleine kann eine gute Lösung sein, um dem Hund mehr Bewegungsfreiheit zu geben und gleichzeitig Sicherheit zu behalten.

Wichtig dabei: Schleppleinen gehören immer ans Geschirr, niemals ans Halsband.

So wird die Belastung auf den Körper des Hundes deutlich besser verteilt.


Spazierorte bewusst auswählen

Wenn dein Hund im gewohnten Wald plötzlich völlig „out of order“ ist, kann es sinnvoll sein, vorübergehend andere Orte zu wählen.


Zum Beispiel:

  • Wohngebiete

  • ruhigere Wege

  • weniger wildreiche Gebiete


Für uns Menschen sind solche Spaziergänge manchmal weniger spannend – für den Hund können sie aber deutlich entspannter sein.

Und Entspannung ist eine wichtige Grundlage dafür, dass der Hund nicht dauerhaft in hoher Erregung unterwegs ist.


Erwartungen anpassen

Der Frühling ist nicht unbedingt die ideale Zeit, um große Trainingsfortschritte zu erwarten.

Manchmal ist es völlig ausreichend, wenn der Hund:

  • ansprechbar bleibt

  • sich orientieren kann

  • und Spaziergänge insgesamt wieder ruhiger werden.

Auch das ist bereits Training.


Ein Wort zur Situation in NRW

In Nordrhein-Westfalen gibt es eine Besonderheit: Im Wald gilt keine generelle Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit (vom 01.03. - 15.07.).

Stattdessen müssen Hunde auf den Waldwegen bleiben und dürfen nicht ins Unterholz laufen.

In der Praxis bedeutet das jedoch eine große Verantwortung für den Halter.

Denn wenn ein Hund doch ins Unterholz geht oder Wildtiere aufscheucht, kann das nicht nur hohe Strafen nach sich ziehen – im schlimmsten Fall kann es für den Hund auch gefährlich werden.


Deshalb gilt hier ganz klar:

Freilauf im Wald sollte nur dann stattfinden, wenn der Hund wirklich zuverlässig abrufbar und orientiert ist.

Wenn daran Zweifel bestehen, ist eine Schleppleine oft die deutlich sicherere Entscheidung.


Hazel gesichert an der Schleppleine sieht Dammwild

Der wichtigste Punkt: Realistisch bleiben jagdambitionierte Hunde Frühling

Der Frühling bringt viele Veränderungen mit sich – für uns und für unsere Hunde.

Wenn dein jagdlich motivierter Hund in dieser Zeit etwas aufgeregter ist als sonst, ist das völlig normal.


Wichtig ist vor allem:

  • die Situation zu verstehen

  • den Hund nicht zu überfordern

  • und die Spaziergänge so zu gestalten, dass sie für euch beide gut machbar bleiben.


Mit etwas Anpassung, Geduld und einem realistischen Blick auf die aktuellen Herausforderungen lässt sich diese Jahreszeit oft deutlich entspannter meistern.

Und irgendwann wird auch der Frühling wieder ein Stück ruhiger.


Du brauchst dabei Unterstützung? Kein Problem, ich helfe dir und deinem Vierbeiner sehr gerne und geben euch die Werkzeuge an die Hand, die ihr nun braucht. Schreib mich an oder schau mal bei meinem Kursen und Workshops rein. jagdambitionierte Hunde Frühling

 
 
 

1 Kommentar


Emerson
Emerson
13. Apr.

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