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Beschäftigung ist nicht gleich Auslastung: Warum dein Hund nicht einfach mehr braucht

Autorenbild: Sarah Engel
Sarah Engel
30. Aug.
7 Min. Lesezeit

Drei Stunden spazieren, eine Runde Ballspielen, ein bisschen Sucharbeit und trotzdem kommt dein Hund zu Hause nicht zur Ruhe?


Murphy bei der Dummyarbeit

Dann liegt die Lösung vielleicht nicht darin, noch mehr mit ihm zu machen.

Gerade bei aktiven Hunden, Arbeits- und Jagdhunden höre ich häufig den Satz: „Der muss einfach richtig ausgelastet werden.“ Und natürlich steckt darin auch ein Stück Wahrheit. Hunde brauchen Bewegung, Beschäftigung und die Möglichkeit, ihre individuellen Bedürfnisse auszuleben.


Aber Auslastung ist nicht einfach eine Frage von Stunden, Kilometern oder möglichst vielen Aktivitäten.

Ein Hund, der drei Stunden am Tag unterwegs ist, ist nicht automatisch bedürfnisgerecht beschäftigt. Und ein Hund, dessen Spaziergang jeden Tag zum kleinen Abenteuer wird, ist nicht zwangsläufig zufrieden und ausgeglichen.


Im Gegenteil: Sowohl zu wenig passende Beschäftigung als auch zu viel oder unpassende Beschäftigung können dazu führen, dass unsere Hunde zunehmend unruhig, frustriert oder dauerhaft hoch erregt sind.


Als Hundetrainerin in Bochum arbeite ich unter anderem mit Jagdhunden und Hunden mit einer ausgeprägten jagdlichen Disposition. Gerade bei diesen Hunden ist es besonders wichtig, nicht einfach möglichst viel zu machen – sondern sich zu fragen:

Was braucht genau dieser Hund eigentlich? Und was bewirkt die Beschäftigung, die ich ihm anbiete?

Stundenlang spazieren gehen – oder einfach nur das Fitnessprogramm erweitern?


Natürlich ist Bewegung wichtig.

Ein Hund muss laufen, seine Umwelt erkunden, schnüffeln und sich bewegen dürfen. Gerade viele Jagd- und Arbeitshunde sind ausgesprochen lauffreudig und haben Freude daran, draußen unterwegs zu sein.

Aber wenn unsere Antwort auf einen aktiven Hund ausschließlich lautet: „Dann muss er eben noch mehr laufen“, geraten wir schnell in einen Kreislauf.

Denn der Körper passt sich an Belastung an.

Wer seinen Hund regelmäßig über lange Strecken körperlich auslastet, trainiert damit natürlich auch seine körperliche Leistungsfähigkeit. Der Hund wird fitter. Und ein fitter Hund kann mehr laufen.

Das bedeutet nicht, dass lange Spaziergänge grundsätzlich falsch sind. Ganz im Gegenteil. Es geht vielmehr darum, dass reine Bewegung allein nicht automatisch eine umfassende Auslastung darstellt.

Drei Stunden spazieren zu gehen, kann wunderbar sein. Es kann aber auch einfach ein sehr gutes Fitnessprogramm sein.


Die entscheidende Frage ist: Was passiert in diesen drei Stunden eigentlich im Kopf deines Hundes?

Denn während der Körper arbeitet, kann die geistige Beschäftigung komplett auf der Strecke bleiben.

Und gerade bei vielen Arbeits- und Jagdhunden reicht es langfristig nicht aus, sie einfach nur möglichst viele Kilometer laufen zu lassen.


Arbeits- und Jagdhunde wollen nicht nur laufen – sie wollen etwas zu tun haben


Viele Jagdhunde sind für eine enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet worden.

Je nach Rasse und individuellem Hund wurden dabei ganz unterschiedliche Fähigkeiten über Generationen gefördert: suchen, finden, verfolgen, anzeigen, apportieren oder selbstständig Aufgaben lösen.


Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Jagdhund arbeiten muss oder dass jeder Retriever automatisch Dummytraining lieben wird.

Aber viele dieser Hunde bringen eine hohe Bereitschaft mit, Aufgaben zu übernehmen und mit ihrem Menschen zusammenzuarbeiten.


Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen reiner Bewegung und sinnvoller Beschäftigung.

Ein Hund kann körperlich müde sein und trotzdem geistig noch völlig unterfordert.

Wenn ein Hund zwar stundenlang läuft, aber kaum Möglichkeiten bekommt, seine Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen, kann es passieren, dass er sich irgendwann selbst eine Beschäftigung sucht.

Und Hunde sind in dieser Hinsicht durchaus kreativ.

Plötzlich wird jeder Geruch verfolgt. Jede Bewegung in der Umgebung wird spannend. Wildspuren werden interessanter als der eigene Mensch oder der Hund entdeckt andere Möglichkeiten, sich selbst zu beschäftigen.


Das ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass der Hund „nicht ausgelastet“ ist.

Aber es kann ein Hinweis darauf sein, dass ihm sinnvolle, passende Aufgaben und eine klare Möglichkeit zur Zusammenarbeit fehlen.

Gerade im Jagdkontrolltraining geht es deshalb für mich nicht darum, einen Hund einfach nur möglichst müde zu machen.

Mein Ziel ist es, dass der Hund lernt, seine Fähigkeiten kontrolliert einzusetzen – und dass er erlebt, dass es sich lohnt, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten.


Das andere Extrem: Wenn jeder Spaziergang zum Event wird


Dann gibt es aber auch noch die andere Seite.

Den Hund, der morgens eine Suchaufgabe bekommt, mittags mit dem Futterbeutel arbeitet, nachmittags einen Parcours absolviert und auf dem Abendspaziergang noch ein paar Impulskontrollübungen, Tricks und Apportieraufgaben erledigt.

Auf den ersten Blick klingt das nach einem perfekten Hundeprogramm.

Und ganz ehrlich: Die Idee dahinter ist meistens wunderbar. Wir möchten unserem Hund etwas bieten. Wir möchten, dass ihm nicht langweilig wird. Wir möchten ihn beschäftigen.


Aber Beschäftigung ist nicht automatisch gut, nur weil sie abwechslungsreich ist.

Wenn jeder Spaziergang bedeutet, dass gleich etwas Spannendes passiert, kann allein das Anlegen des Geschirrs bereits eine enorme Erwartungshaltung auslösen.


Was machen wir heute? Was kommt jetzt? Wo ist die nächste Aufgabe?


Dadurch kann die Erregung bereits steigen, bevor der Hund überhaupt vor die Haustür gegangen ist.

Und genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Denn gerade viele Arbeits- und Jagdhunde bringen genetisch eine gewisse Bereitschaft mit, schnell in einen aktiven Zustand zu wechseln. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes – im Gegenteil. Für die ursprünglichen Aufgaben dieser Hunde war es wichtig, bei Bedarf schnell leistungs- und handlungsbereit zu sein.

Aber eine dauerhaft hohe Grund- oder Erwartungserregung ist etwas anderes.

Wenn unser Hund ständig darauf wartet, dass etwas passiert, kann aus gut gemeinter Beschäftigung schnell ein Hund werden, der immer mehr erwartet und immer schwerer einfach nur sein kann.


Deshalb muss nicht jeder Spaziergang ein Trainingsspaziergang sein.

Nicht jede Runde braucht eine Aufgabe.

Nicht jedes Verlassen des Hauses muss ein Abenteuer sein.

Manchmal darf ein Spaziergang auch einfach ein Spaziergang sein.


Nicht jede Beschäftigung passt zu jedem Hund


Ein weiterer Punkt wird meiner Meinung nach häufig unterschätzt: Nur weil eine Beschäftigung theoretisch gut zu einer Rasse oder einem Hundetyp passen könnte, muss sie diesem individuellen Hund nicht automatisch Spaß machen.


Ein Retriever apportiert doch gerne.

Ein Jagdhund liebt Fährtenarbeit.

Ein Hütehund möchte Tricktraining.


So einfach ist es leider nicht.

Natürlich gibt es genetische Veranlagungen und rassetypische Eigenschaften. Aber am Ende steht vor uns immer ein Individuum.

Ein Retriever kann wenig Freude am Apportieren haben.

Ein Jagdhund muss nicht begeistert von jeder Form der Nasenarbeit sein.

Und nur weil wir als Menschen eine Beschäftigung toll finden, bedeutet das nicht automatisch, dass unser Hund sie genauso empfindet.

Wenn wir immer wieder versuchen, unseren Hund zu einer Aufgabe zu motivieren, die ihm eigentlich nicht liegt, kann das kontraproduktiv werden.


Der Hund kann frustriert sein.

Wir können frustriert sein.

Und im schlimmsten Fall entsteht aus einer eigentlich gemeinsamen Aktivität zunehmend Druck.


Dabei sollte Beschäftigung idealerweise nicht zu einem ständigen Konflikt zwischen Mensch und Hund werden.

Denn Frust kann wiederum zu mehr Erregung führen. Und gerade bei Hunden, die ohnehin schnell hochfahren oder sich schwer regulieren können, ist das nicht unbedingt das, was wir durch unsere Beschäftigung fördern möchten.


Bedürfnisorientierte Beschäftigung statt Beschäftigung nach Plan


Das bedeutet übrigens nicht, dass dein Hund immer nur das machen sollte, worauf er gerade Lust hat.

Auch Aufgaben, die nicht sofort leichtfallen, können sinnvoll sein. Lernen bedeutet manchmal Anstrengung. Und selbstverständlich dürfen wir unserem Hund etwas beibringen und ihn auch vor Herausforderungen stellen.

Der entscheidende Punkt ist vielmehr:

Die Beschäftigung sollte zum Hund passen – nicht nur zu unserer Vorstellung davon, was ein Hund dieser Rasse eigentlich gerne machen müsste.

Deshalb schaue ich im Training nicht nur darauf, was ein Hund kann oder welche Rasse auf seinem Stammbaum steht.


Ich frage mich auch:

  • Welche Fähigkeiten bringt dieser Hund mit?

  • Woran hat er wirklich Freude?

  • Was fällt ihm leicht?

  • Was fordert ihn sinnvoll, ohne ihn dauerhaft zu überfordern?

  • Was erhöht seine Erregung – und was hilft ihm, wieder herunterzufahren?

  • Welche Aufgaben können wir nutzen, um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund zu stärken?


Gerade bei Jagdhunden und Hunden mit einer ausgeprägten jagdlichen Disposition kann daraus eine sehr individuelle Form der Beschäftigung entstehen

.

Für den einen Hund kann kontrollierte Sucharbeit sinnvoll sein.

Für den nächsten Dummytraining.

Und manchmal ist die wichtigste Aufgabe überhaupt, nichts zu tun.


Die Mischung bei Auslastung und Beschäftigung macht den Unterschied


Ich glaube nicht an den perfekten Beschäftigungsplan, der für jeden Hund funktioniert.

Aber ich glaube an eine gesunde Mischung.

An Bewegung – ohne den Hund zum Hochleistungssportler zu trainieren.

An geistige Aufgaben – ohne jeden Spaziergang in ein Unterhaltungsprogramm zu verwandeln.

An Herausforderungen – ohne dauerhaft Frust zu erzeugen.

An Beschäftigung, die zu den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen des Hundes passt. Auslastung und Beschäftigung

Und auch an Pausen.


Denn ein zufriedener Hund ist nicht zwangsläufig der Hund, der am Ende des Tages komplett erschöpft in sein Körbchen fällt.

Für mich ist ein gut beschäftigter Hund vor allem ein Hund, der die Möglichkeit bekommt, körperliche und geistige Bedürfnisse sinnvoll auszuleben, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig auch zur Ruhe zu kommen.


Gerade im Jagdkontrolltraining ist das für mich ein wichtiger Bestandteil.

Es geht nicht darum, jagdlich motivierte Hunde möglichst müde zu machen, damit sie draußen keine Energie mehr für ihre Umwelt haben.

Und es geht auch nicht darum, ihnen rund um die Uhr Ersatzbeschäftigungen anzubieten.

Es geht darum, ihre individuellen Fähigkeiten ernst zu nehmen und ihnen einen Rahmen zu geben, in dem sie diese kontrolliert einsetzen können.


Mein Fazit: Mehr ist nicht immer besser

Wenn du dich also fragst, ob dein Hund „genug ausgelastet“ ist, lohnt sich vielleicht eine andere Frage als:

„Wie viele Stunden bin ich heute mit meinem Hund spazieren gegangen?“

Vielleicht ist die spannendere Frage:

„Welche Bedürfnisse meines Hundes konnte ich heute erfüllen – und was hat ihm wirklich gutgetan?“

Manche Hunde brauchen mehr Bewegung.

Andere mehr geistige Herausforderungen.

Manche brauchen eine Aufgabe.

Andere müssen vielleicht vor allem lernen, dass draußen nicht ständig etwas passieren muss.

Und die meisten brauchen von allem ein bisschen – angepasst an den individuellen Hund.


Beschäftigung ist nicht gleich Beschäftigung. Auslastung ist nicht gleich Bedürfnisbefriedigung.


Und manchmal liegt die beste Lösung nicht darin, mehr mit unserem Hund zu machen.

Sondern darin, genauer hinzuschauen und herauszufinden, was für genau diesen Hund wirklich sinnvoll ist.


Individuelles Hundetraining und Jagdkontrolltraining in Bochum und Umgebung


Du hast einen Jagdhund oder einen Hund mit einer ausgeprägten jagdlichen Disposition und fragst dich, wie du ihn sinnvoll beschäftigen kannst, ohne ihn dabei immer weiter hochzufahren?

Im individuellen Hundetraining und Jagdkontrolltraining schauen wir gemeinsam auf deinen Hund, seine Bedürfnisse und seine Fähigkeiten.

Denn gerade bei Jagdhunden gibt es keine Beschäftigung, die für jeden Hund gleichermaßen funktioniert.


Eine sinnvolle Auslastung kann aus kontrollierter Zusammenarbeit, passenden Aufgaben, Bewegung, Erregungsregulation und ausreichend Ruhe bestehen.

Im Jagdkontrolltraining in der Hundeschule "Ein Engel für alle Felle" geht es deshalb nicht darum, deinen Hund einfach nur müde zu machen. Sondern darum, seine jagdliche Motivation besser zu verstehen, kontrollierbar zu machen und eine Zusammenarbeit aufzubauen, die auch dann noch funktioniert, wenn draußen etwas wirklich spannend wird.


Denn dein Hund braucht nicht einfach mehr Beschäftigung. Er braucht die richtige Beschäftigung – und einen Menschen, der bereit ist, genau hinzuschauen.

 
 
 

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