Struktur statt Kilometer – warum lange Spaziergänge deinem jagdambitionierten Hund mehr schaden als nützen können
- Sarah Engel

- 31. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit

„Dein Hund geht jagen? Dann musst du ihn nur müde machen!“
Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Er geistert in unzähligen Hundegruppen herum – und er ist einer der größten Irrtümer im Alltag mit jagdambitionierten Hunden.
Denn die Wahrheit ist:
👉 Lange, planlose Spaziergänge bringen selten Ruhe.
👉 Viel öfter sorgen sie für Frust, steigende Erregung und ein genervtes Mensch-Hund-Team.
Wenn du das Gefühl kennst, dass dein Hund nach 2 Stunden draußen immer noch „unter Strom“ steht, dann lies unbedingt weiter.
Auslastung ist nicht gleich Auslastung Struktur statt Kilometer
Ja, jagdambitionierte Hunde sind meistens lauffreudig und ja, sie brauchen Beschäftigung.
Aber: einfach „mehr Strecke“ ist keine Lösung. Stell dir vor, du würdest ein Kind, das ohnehin schon überdreht ist, auf eine Achterbahn setzen – würdest du erwarten, dass es danach entspannt einschläft?
Genau so fühlt sich ein planloser, langer Spaziergang für viele Hunde an.
Früher vs. Heute – warum viele Hunde heute Probleme haben
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, woher viele Schwierigkeiten kommen.
Früher war das Leben von Jagd- und Gebrauchshunden klar strukturiert:
In der Arbeitsphase konnten sie ihre Anlagen voll ausleben und zu Höchstform auflaufen.
In der Ruhephase wurden sie abgeschottet – häufig in Zwingern, fernab von Reizen – und konnten wirklich herunterfahren.
Nur Hunde, die mit diesem Wechsel von voller Leistung und völliger Ruhe gut zurechtkamen, waren leistungsfähig und wurden zur Zucht eingesetzt. Das hat ganze Rassen geprägt.
Heute sieht der Alltag völlig anders aus: Unsere Hunde leben mitten in der Familie, begleiten uns ins Büro, gehen mehrmals täglich spazieren, bekommen Beschäftigungsangebote und Hundeschulprogramme. Das klingt toll, ist aber nicht automatisch artgerecht. Struktur statt Kilometer
Denn entscheidend ist:
Bekommt der Hund wirklich genug Ruhezeiten?
Passen Spaziergänge und Beschäftigung zu seinem genetischen Hintergrund?
Oder drückt der Mensch ihm nur ein „Ein-Hund-muss…“-Programm auf?
Zu viele Reize, zu wenig echte Ruhe und unpassende Aufgaben sind häufig der Grund dafür, dass Hunde im Alltag überdrehen.
Die „nach-müde-kommt-blöd“-Falle
Vielleicht kennst du das: Nach einem aufregenden Spaziergang kommt dein Hund nach Hause – und anstatt zu schlafen, tigert er unruhig durch die Wohnung, fordert dich zum Spielen auf oder wirkt nervös. Oft denken wir dann: „Der ist ja nicht kaputtzukriegen – nächstes Mal muss es mehr sein.“
Genau hier beginnt die Spirale. Der Hund bekommt noch mehr Programm, wird noch aufgedrehter – und die eigentliche Ruhe bleibt auf der Strecke.
👉 Wichtig zu verstehen: Nicht zu wenig Auslastung macht Probleme, sondern die falsche Mischung aus zu viel, zu wenig oder schlicht unpassenden Aktivitäten.
Besonders bei Welpen und Junghunden gilt: Ruhephasen sind entscheidend, damit sie später zu entspannten Begleitern werden.
Kenne die Reize deines Hundes
Der erste Schritt: Finde heraus, was deinen Hund triggert. Ist es Wildgeruch am frühen Morgen? Bewegungsreize wie Jogger oder Radfahrer? Oder bestimmte Gebiete, in denen er sofort die Nase am Boden hat?
Wenn du das weißt, kannst du deine Spaziergänge bewusst strukturieren:
Trainingsspaziergang: gezielt in schwierige Situationen gehen, kurz und knackig, angepasst an den Trainingsstand.
Entspannungsspaziergang: Reizen bewusst aus dem Weg gehen und den Hund runterfahren lassen.
👉 Nicht jeder Spaziergang muss Training sein. Aber jeder Spaziergang sollte Plan haben.
Ruheinseln sind Pflicht
Dein Hund braucht Momente, um wieder runterzufahren. Plane deshalb „Ruheinseln“ ein – Orte, an denen er sich wirklich entspannen kann.
Und wenn du Training in schwierigen Situationen machst: halte es kurz! Ein Hund lernt nicht mehr, wenn er völlig überdreht ist.
Checke deine Spaziergänge
Frage dich bei jeder Runde:
Wann gehe ich?
Sind gerade viele Hunde, Menschen oder Jogger unterwegs?
Ist das für meinen Hund noch machbar?
Ist das Wild zu dieser Zeit besonders aktiv?
Wie lange gehe ich?
Muss ich wirklich eine große Runde laufen – oder reicht ein Hin- und Rückweg?
Habe ich ein Ersatzprogramm für Tage, an denen wir schon nach 10 Minuten abbrechen müssen? (Futtersuchspiele, Intelligenzspielzeuge etc.)
Weniger ist manchmal mehr
Hand aufs Herz: Wie oft rufst oder stoppst du deinen Hund, wenn er frei läuft?
Jedes Mal steigt sein Erregungslevel – und deiner Frustpegel gleich mit.
Besser: Geh öfter in Gebiete, in denen dein Hund gut ansprechbar ist und du ihn kaum unterbrechen musst. Dort könnt ihr Erfolgserlebnisse sammeln. Schwierige Gebiete hebst du dir für kurze, gezielte Trainings vor – mit Plan, nicht aus Gewohnheit.
Dein Hund ist kein Gegner – er ist dein Teampartner
Du musst deinem Hund seine Genetik nicht „verbieten“. Jagdverhalten ist tief in vielen Hunden verankert. Aber du kannst lernen, damit fair umzugehen, Grenzen zu setzen und euren Alltag so zu gestalten, dass ihr beide davon profitiert.
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In meinem Jagdkontrolltraining und im Programm „Leinenlos glücklich“ zeige ich dir, wie du mit deinem Hund als Team arbeiten kannst – modern, fair und effektiv. (https://www.einengelfuerallefelle.de/leinenlos-gl%C3%BCcklich)
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