Warum ich Hundetrainerin wurde – mein Weg vom Hundemensch zur Trainerin
- Sarah Engel

- 9. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Seit ich denken kann, liebe ich Tiere – vor allem Hunde. Ich war immer von ihnen umgeben: von Familienhunden, Nachbarshunden, Hunden meiner Freunde. Schon als Jugendliche bin ich mit den Hunden anderer Leute spazieren gegangen, durfte einmal sogar die Geburt von Welpen miterleben. Ich war viel auf dem Bauernhof unterwegs, wo immer Hunde waren, und viele meiner Freunde hatten Väter, die Jäger waren. Dort sah ich aber auch Dinge, die mich früh prägten.
Viele dieser Jagdhunde lebten in Zwingern – für mich als Teenager ein Unding. Ich konnte nicht verstehen, warum Hunde so leben mussten. Für mich waren sie immer Familienmitglieder, niemals „Nutztiere“. Wann immer ich bei diesen Freunden war, versuchte ich, die Hunde herauszuholen, mit ihnen zu spielen oder sie mit ins Haus zu nehmen. Ich wollte, dass sie sich frei bewegen und dazugehören durften. Schon damals habe ich gespürt: Ich will, dass Hunde verstanden und gut behandelt werden.
Trotz dieser Leidenschaft hatte ich als junge Erwachsene keinen eigenen Hund. Nach dem Abitur begann ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau – das Geld war knapp und die Zeit ebenso. Danach folgte ein Abendstudium, dann eine anspruchsvolle Tätigkeit in einem großen Konzern der Finanzbranche. Ein Hund war in dieser Lebensphase schlicht nicht machbar.
Dann kam Corona – und mit ihr die Chance, mein Leben zu verändern. Mein Arbeitgeber stellte dauerhaft auf Homeoffice um und plötzlich war die Tür offen für das, was ich mir schon als Kind geschworen hatte: Ein Hund sollte bei uns einziehen.
Nach langer Suche fanden mein Mann und ich Hazel auf einer Pflegestelle. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie war freundlich, klug und im Alltag wirklich unkompliziert – bis auf eines: ihr Jagdverhalten.
Egal ob Vogel, Eichhörnchen oder Hase – Hazel stürzte sich hinterher, sobald sich etwas bewegte. Unsere ersten Spaziergänge im Wald waren eine Katastrophe: sie wickelte sich mit ihrer Schleppleine um Bäume, hatte die Nase nur im Wind oder auf dem Boden und war für mich nicht mehr ansprechbar. Ich wusste: Wir brauchen Hilfe.

Die erste Trainerin arbeitete aversiv – nach einer Stunde war klar, dass das für uns nicht der richtige Weg ist. Der nächste Trainer setzte nur auf Impulskontrolle auf dem Hundeplatz. Dort funktionierte Hazel perfekt. Nach drei Stunden hieß es, ich könne sie bedenkenlos frei laufen lassen. Das tat ich – und sie war weg. Sie jagte ohne Vorwarnung 2,7 Kilometer ein Reh. Zum Glück ist weder Reh noch Hazel etwas passiert.
Mein Vertrauen war gebrochen. Ich war verzweifelt und überfordert. Ich dachte, Hazel wird nie frei laufen können. Gleichzeitig wollte ich verstehen, warum das alles so schwierig war und warum mir kein Trainer wirklich helfen konnte. Viele aktive Jagdhunde waren doch auch abruf- und kontrollierbar?
Also begann ich zu recherchieren: Wie wird man eigentlich Hundetrainerin? Wie ist die Ausbildung aufgebaut? Was kostet das? Und könnte ich das vielleicht selbst machen?
Ich fand einen Ausbildungsträger, der seriös war und zu meinem Alltag passte. Und ich wusste sofort: Das ist mein Weg. Ich wollte anderen helfen, die sich genauso fühlen wie ich – frustriert, überfordert, enttäuscht. Menschen, die ihren Hund lieben, aber bei bestimmten Themen einfach nicht weiterkommen. Besonders das Thema Jagdverhalten hatte es mir angetan und ich beschloss, mich darauf zu spezialisieren.
Während meiner Ausbildung zur Hundetrainerin besuchte ich zahlreiche Seminare – von der Lerntheorie über die verschiedenen Verhaltensweisen, der Leinenführigkeit bis hin zu den typischen Alltagsproblemen wurde alles gelehrt. Parallel dazu machte ich noch Fortbildungen mit dem Schwerpunkt "Jagdkontrolltraining" und ein Praktikum bei einer wunderbaren Hundeschule, in der ich die Praxis hautnah erleben durfte. Ich konnte zuschauen, mitarbeiten und dabei unglaublich viel lernen.
All diese Erfahrungen – ob aus der Theorie, den Praxis-Seminaren oder der Arbeit im Praktikum – haben mein Verständnis für Hunde völlig verändert. Ich begann, Hazel mit ganz anderen Augen zu sehen. Ich verstand, warum sie tat, was sie tat und wie ich ihr helfen konnte, besser mit ihrer genetischen Disposition umzugehen. Dieses Wissen hat unsere Beziehung auf ein neues Level gebracht.

Genau das möchte ich weitergeben: Ich will, dass Hundehalter verstehen, warum ihr Hund Dinge tut. Ich möchte nicht nur Symptome lindern, sondern die Ursachen erkennen und in geordnete Bahnen lenken. Das geht nur wenn man auch versteht und das nötige Wissen vermittelt bekommt. Dann wird Training fair und effektiv.
Gerade bei genetisch fixierten Verhaltensweisen, die man nicht einfach „abstellen“ kann, braucht es Wissen und Empathie, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das bedeutet nicht, zu sagen: „Mein Hund jagt halt, das ist so.“ Es bedeutet, das Verhalten zu verstehen, um gezielt und fair daran zu arbeiten. Mit Verständnis und Wissen geht man Training ruhiger, gelassener und vor allem erfolgreicher an – statt frustriert und hilflos zu werden.

Heute liebe ich meine Arbeit von Herzen. Ich sehe täglich, wie sich Beziehungen zwischen Mensch und Hund verändern, wenn Verstehen und Vertrauen im Mittelpunkt stehen. Ich bin dankbar für meinen Weg, für Hazel und für jede einzelne Fellnase, die mich ein Stück begleitet.
Zum Schluss:
Manchmal führt uns das Leben auf Umwegen zu unserer wahren Berufung. Ich bin Hundetrainerin geworden, weil ich meinen eigenen Hund verstehen wollte – und habe dabei gelernt, wie viel Geduld, Wissen und Liebe in gutem Training steckt. Heute darf ich genau das weitergeben.
Wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst oder gerade selbst mit deinem Hund an einem Punkt stehst, an dem du nicht weiterkommst – melde dich gern. Ich helfe dir, deinen Hund besser zu verstehen und gemeinsam neue Wege zu gehen. 🐾 mein Weg vom Hundemensch zur Trainerin





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